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Fallbeispiele

Randale vor Altersheim mit überraschendem Ausgang

übereinander gelegte Hände von mehreren Jugendlichen

Ein paar Jugendliche haben einige Bänke zerstört, die vor einem Altersheim stehen. Der Fall wird von der örtlichen Staatsanwaltschaft an die Schlichtungsstelle für Täter-Opfer-Ausgleich weitergeleitet. Eine Mediatorin der Stelle vereinbart mit beiden Parteien ein Gespräch vor Ort, direkt im Altersheim. Im Gespräch stellt sich heraus, dass die Bänke für die alten Menschen den einzigen Kontakt zur Außenwelt darstellen. Die Senioren waren entsprechend über ihre Zerstörung entsetzt. Die Jugendlichen erfahren im Gespräch, wie es den Alten ging, und können ihrerseits erzählen, was aus ihrer Sicht passiert ist: Sie kamen aus einer Kneipe und hatten sozusagen in Bierlaune ohne tieferen Grund auf den Bänken geschaukelt, bis diese zusammenbrachen. Jetzt sind sie betroffen und schämen sich. Im Gespräch entschuldigen sie sich für das, was sie getan haben. Man einigt sich, dass sie in Raten 500 Euro für neue Bänke an das Altersheim zahlen.

Raub und schwere Körperverletzung - kann man da überhaupt noch miteinander reden?

Fünf Jugendliche haben eine 76-jährige Frau überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt. Die Frau ist traumatisiert und kann vor der Verhandlung aus lauter Angst nicht mehr schlafen. Beide Seiten wünschen einen begleiteten Austausch in Anwesenheit ihrer Familienangehörigen.

Das Jugendamt führt eine umfangreiche Wiedergutmachungskonferenz, ein Mediationsgespräch unter Einbeziehung des familiären Umfeldes, durch. Die Jugendlichen und ihre Familien erfahren, wie der Überfall die Geschädigte und ihre Familie überrollte und wie Unverständnis, Wut, Angst und Ratlosigkeit herrschten. Die Geschädigte und ihre Familie können viele Antworten auf ihre Fragen bekommen und erfahren, was mit den Jugendlichen nach der Tat passierte: der Vater des einen Jungen beispielsweise erzählt, dass sein Sohn „wie ein Baby weinend" die ganze Nacht zwischen seinen Eltern gelegen hat. Die Jugendlichen entschuldigen sich persönlich. Bei den Erwachsenen herrscht große Betroffenheit und Ratlosigkeit.

Am Ende des emotional sehr intensiven Mediationsgesprächs werden die Aufteilung von 10.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz sowie Regelungen zu Freizeit und Schule der Jugendlichen vereinbart. Ein Jugendlicher wird außerdem in seiner Schule zusammen mit der Tochter der Geschädigten einen Vortrag halten, um zu zeigen, wie schnell aus Spaß bitterer Ernst werden kann. Die Erfüllung der Vereinbarungen läuft bis heute, ein Jahr nach dem Gespräch.

 
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